Hilfe / Erklärung - Was ist was?!?

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bigjr
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Hilfe / Erklärung - Was ist was?!?

Beitrag von bigjr » 19. Feb 2019 23:31

Ich :shock: bin einwenig verwirrt in letzter Zeit... bei diversen neuen/alten Begriffen:

DSL ? > FTTB > Fiberglas bis an die Bordsteinkante / Verteilerkasten an der Strasse > zur Wohnung Kupfer?
VDSL ? > FTTH > Fiberglass bis in Haus/Keller > zur Wohnung Kupfer/Fiberglas ?
Kabelmodem AVM 6490 Cable > Docsis 3.0
Wenn es kein Docsis 3.1 oder höher gibt.. Was dann ? Bezieht sich das Cable nur auffs TV ?
Liegt der Unterschied in der Art des Kabels ?

Und hatte Dirty Harry per PM um Hilfe gefragt... das nun hier für alle veröffendliche

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Antwort Dirty Harry:
FTTB = FiberToTheBasement = Glasfaser bis in den Keller des Gebäudes,
dann werden im Keller (Anschlußraum oder ähnliches) die Lichtsignale in elektrische gewandelt und diese per Kupferkabel im Haus an den Nutzer weitergeleitet.

FTTH = FiberToTheHome = Glasfaser bis in die jeweilige Wohnung, also bis zum Endkunden und erst dort die Lichtsignale in elektrische Signale umwandeln.
-----------------

"Glasfaser" und "Fiberglass" sind das gleiche. Einmal deutsches Wort, einmal englische Bezeichnung.
In jedem Fall handelt es sich um Lichtsignale die durch optische Leiter transportiert werden.

"Kabelmodem" oder "Cable"; wieder einmal deutsch, einmal englisch.
Es handelt es sich um elektrische Signale die durch Antennenkabel transportiert werden.

"DSL" oder "VDSL"
Es handelt es sich um elektrische Signale die durch Telefonkabel transportiert werden.
Nach der Antwort von DH. habe ich noch ein paar Fragen :!:

Welche Vor-/Nachteile haben die 3 Konzepte (Cable - FTTB - FTTH) ?
Wird durch Docsis 3.0 für Cable die Geschwindigkeit bei 100M/bit enden?

Eventuell kann da der eine oder andere nochmal etwas ausführlicher erläutern..

Danke Jens
Zuletzt geändert von bigjr am 20. Feb 2019 02:47, insgesamt 1-mal geändert.

cybershadow
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Re: Hilfe / Erklärung - Was ist was?!?

Beitrag von cybershadow » 20. Feb 2019 01:29

Die heutzutage im über das Internet transportierten Datenmengen (insbesondere Videostreams), lassen sich über Strecken, die weiter als ein paar 100 Meter sind, grundsätzlich nur noch mit Glasfaser-Technologie, also über Lichtwellenleiter, transportieren. Die Internetprovider versuchen also die Glasfaser immer näher an den Endkundenanschluss heran zu führen. Der Begriff dafür ist FTTx, also Fiber-To-The-x, auf Deutsch Glasfaser-bis-zum-x, wobei das X aussagt wie weit die Glasfaser geführt wird.

Gebräuchlich sind die folgenden Begriffe
FTTC - Fiber-To-The-Curb, Glasfaser bis zum Bordstein:
Am Bordstein stehen die Kabelverzweiger des Telefonnetzes (graue Kästen, gehören in aller Regel der Telekom). Und die Verstärker- und Verteilerkästen für das Kabelfernsehnetz (Ebenfalls graue Kästen, gehören den Kabelnetzbetriebern)
Für FTTC wird Glasfaser bis zu diesen grauen Kästen geführt, ab da wird bei Verwendung des bestehenden Telefonnetzes auf der Kupfer-Doppelader (=Telefonleitung) mit VDSL2-Technologie der Endkundenanschluss hergestellt. Dabei versorgt ein grauer Kasten (= Outdoor-DSLAM) teilweise ganze Straßenzüge, jedenfalls aber etliche Gebäude. Die erreichbaren Geschwindigkeiten liegen derzeit bei bis zu 250 MBit/s.
Im Fall des bestehenden Kabelfernsehnetztes wird am Straßenrand ein sogenannter Optical Node aufgestellt, der die über Glasfaser übertragenen Signale auf die Kupferkabel umsetzt. Als Technologie wird nicht VDSL2, sondern EuroDOCSIS in Version 3.0 oder 3.1 verwendet. Letzteres ermöglicht theoretisch Datenraten von bis zu 10 GBit/s in Downstream-Richtung, wobei sich alle Kunden, die hinter einem Optical Node hängen, diese Bandbreite teilen müssen.

FTTB - Fiber-To-The-Basement oder Fiber-To-The-Building, Glasfaser bis in den Keller/ins Gebäude:
Die Glasfaser wird in jedem Gebäude/Gebäudekomplex bis in den Keller gelegt. Von dort geht es über eine Kupfer-basierte Anschlusstechnik weiter bis in die Wohnung. Hier gibt es jetzt drei grundsätzliche Möglichkeiten:
a) Über die Telefon-Doppelader. In der Regel VDSL2 (im Grunde dasselbe wie bei FTTC), bei einigen Anbieten inzwischen auch G.fast. Die erreichbare Geschwindigkeit liegt bei G.fast bei bis zu 1 GBit/s.
b) Über die Koaxialkabel, die ursprünglich für Kabelfernsehen vorgesehen waren. Exakt gleich wie bei Koax-basiertem FTTC, nur dass sich weniger Kunden die Bandbreite teilen müssen.
c) Über Ethernet, also Netzwerkkabel. Das ist nur bei Neuinstallationen möglich, weil Netzwerkkabel bis in die Wohnungen verlegt werden müssen. Die erreichbare Datenrate beträgt derzeit 1 GBit/s pro Kundenanschluss, technisch möglich sind prinzipiell auch 2,5 und 5 GBit/s.

FTTH - Fiber-To-The-Home, Glasfaser bis in die Wohnung. Die Glasfaser wird bis in jede einzelne Wohnung geführt. Da gibt es einen Medienkonverter, der auf der einen Seite an die Glasfaser angeschlossen ist, auf der anderen Seite eine Ethernet-Schnittstelle zur Verfügung stellt, an die dann der Router angeschlossen werden kann. Alternativ kann auch ein Router verwendet werden, der direkt an die Glasfaser angeschlossen wird.

Es können also sowohl FTTC-, als auch FTTB-Anschlüsse über die Telefoninstallation (VDSL2) oder die Kabelfersehinstallation (EuroDOCSIS) ausgeführt werden. Lediglich bei FTTH wird immer die Glasfaser bis in die Wohnung geführt und weder das Fernsehkabel, noch die Telefonleitung verwendet.

Die FritzBox 6490 ist ein Kabel-Router, also ein Router, der dafür vorgesehen ist an FTTC- oder FTTB-Anschlüssen auf Basis des Fernsehkabels betrieben zu werden. Dieser unterstützt wie die von Wilhelm.tel eingesetzte Netzwerktechnik EuroDOCSIS in Version 3.0. Wilhelm.tel wird sein Netz nicht auf Version 3.1 aufrüsten, da jegliche Kupferbasierte Technik in absehbarer Zeit an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stoßen wird und sich die Investition für ein paar zusätzliche Jahre, die man gewinnt, nicht lohnt. Stattdessen setzt Wilhelm.tel auf den Ausbau der Glasfaser bis zum Endkundenanschluss (FTTH), weil das die einzige wirklich zukunftssichere Technologie ist.

Der Nachteil für Dich als Kunden ist, dass Du so lange dieser Ausbau nicht erfolgt ist, keine Möglichkeit haben wirst z.B. einen GBit-Anschluss zu buchen.

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Eisenwolf
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Re: Hilfe / Erklärung - Was ist was?!?

Beitrag von Eisenwolf » 20. Feb 2019 09:41

Haben wir nicht ein großartiges Forum? Danke, cybershadow, für diese gute und allgemeinverständliche Erklärung! :-)

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HSV1887
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Re: Hilfe / Erklärung - Was ist was?!?

Beitrag von HSV1887 » 20. Feb 2019 13:47

Möchte mich dem Dank von Eisenwolf an Cybershadow und Dirty Harry anschliessen. Die ausführlichen Erklärungen sind für alle
sehr hilfreich, welche sich bisher nicht mit der Thematik beschäfftigt haben. :!:

Zu der Kernfrage von " bigjr : Wird durch Docsis 3.0 für Cable die Geschwindigkeit bei 100M/bit enden? "

Zumindest auf Basis von Docsis 3.0 bei WT= Ja.

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Re: Hilfe / Erklärung - Was ist was?!?

Beitrag von bigjr » 20. Feb 2019 14:02

Auch ich nochmal Danke sage... für die allgemein verständliche Erläuterung.

Das erklärt mir nun auch warum ich zwei Anschlussdosen habe.
Einmal für Kabelmodem (bin der einzige der hier Kabel als Anschluss nutzt), und ein DSL/VDSL Anschluss...
Während meine Nachbarn wohl "nur" den DSL/VDSL Anschluss haben..

Danke.. nochmals

Jens

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burnz
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Re: Hilfe / Erklärung - Was ist was?!?

Beitrag von burnz » 20. Feb 2019 14:48

HSV1887 hat geschrieben:
20. Feb 2019 13:47
Möchte mich dem Dank von Eisenwolf an Cybershadow und Dirty Harry anschliessen. Die ausführlichen Erklärungen sind für alle
sehr hilfreich, welche sich bisher nicht mit der Thematik beschäfftigt haben. :!:

Zu der Kernfrage von " bigjr : Wird durch Docsis 3.0 für Cable die Geschwindigkeit bei 100M/bit enden? "

Zumindest auf Basis von Docsis 3.0 bei WT= Ja.
Gibt doch auch Docsis Anschlüsse im WT Netz mit 250Mbit..
http://www.willytel.de/fileadmin/redakt ... DOCSIS.pdf

bigjr
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Re: Hilfe / Erklärung - Was ist was?!?

Beitrag von bigjr » 20. Feb 2019 16:07

Daran sieht man mal wieder das Wilhelm.tel nicht Willy.tel ist..

Da ich auch noch Zeiten mit Akustikkoppler (900baud) kenne.. reichen mir persönlich die 100M/bit. Ob dann am Ende noch eine Erhöhung auf 250M/bit möglich ist/wäre, ist da nur nebensächlich . Ging für mich tatsächlich erstmal darum einen Überblick zuhaben wo die Reise in Zukunft hingehen könnte.

magicx
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Re: Hilfe / Erklärung - Was ist was?!?

Beitrag von magicx » 20. Feb 2019 16:11

Die 3.0 Spezifikation sagen da auch andere Bandbreiten:

DOCSIS 3.0
Die DOCSIS 3.0-Spezifikation wurde im August 2006 veröffentlicht. Durch Bündelung von bis zu 32 Kanälen können bei eingesetzter 256-QAM (je Kanal 38 bzw. 50 Mbit/s) Geschwindigkeiten von 1216 bzw. 1600 Mbit/s über EuroDOCSIS in Empfangsrichtung (Downstream) erreicht werden. In Senderichtung (Upstream) können durch Bündelung von bis zu 8 Kanälen mit 256-QAM (je Kanal 27 bzw. 30 Mbit/s) 216 bzw. 240 Mbit/s über EuroDOCSIS erzielt werden.[1][2] DOCSIS 3.0 unterstützt ein Frequenzspektrum von 108 MHz bis 1002 MHz im Downstream und 30 MHz bis 85 MHz im Upstream sowie IPv6.

Also sollte mehr als 100MBit möglich sein.

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Re: Hilfe / Erklärung - Was ist was?!?

Beitrag von HSV1887 » 20. Feb 2019 17:36

burnz hat geschrieben:
20. Feb 2019 14:48

Gibt doch auch Docsis Anschlüsse im WT Netz mit 250Mbit..
http://www.willytel.de/fileadmin/redakt ... DOCSIS.pdf
Das ist mir auch bekannt im gleichen Netz - aber bei Willy.tel. Wilhem.tel wird es nicht anbieten (Aussage Servicecenter 12/2018).

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Re: Hilfe / Erklärung - Was ist was?!?

Beitrag von HSV1887 » 20. Feb 2019 17:55

magicx hat geschrieben:
20. Feb 2019 16:11
Die 3.0 Spezifikation sagen da auch andere Bandbreiten:

DOCSIS 3.0
Die DOCSIS 3.0-Spezifikation wurde im August 2006 veröffentlicht. Durch Bündelung von bis zu 32 Kanälen können bei eingesetzter 256-QAM (je Kanal 38 bzw. 50 Mbit/s) Geschwindigkeiten von 1216 bzw. 1600 Mbit/s über EuroDOCSIS in Empfangsrichtung (Downstream) erreicht werden. In Senderichtung (Upstream) können durch Bündelung von bis zu 8 Kanälen mit 256-QAM (je Kanal 27 bzw. 30 Mbit/s) 216 bzw. 240 Mbit/s über EuroDOCSIS erzielt werden.[1][2] DOCSIS 3.0 unterstützt ein Frequenzspektrum von 108 MHz bis 1002 MHz im Downstream und 30 MHz bis 85 MHz im Upstream sowie IPv6.

Also sollte mehr als 100MBit möglich sein.
Technisch möglich ist vieles - aber ob sinnvoll und mit einer halbwegs sicheren Bandbreite ... auch in Stosszeiten?
Das möchte ich mir ehrlich gesagt nicht antun, insbesondere wenn die Verkabelung es nicht hergibt (Baumstruktur).

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