Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

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Dirty Harry

Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von Dirty Harry » 3. Sep 2015 17:01

Die Stadtwerke Norderstedt haben den Konzernabschluß für das Jahr 2014 bekanntgegeben.
Da die Wilhelm.tel GmbH ein Tochterunternehmen im Konzernverbund ist, könnten die Zahlen für einige Kunden interessant sein.

In Kürze:

Der Jahresgewinn des Konzerns Stadtwerke Norderstedt beträgt 5.817.216,25 EUR
( Verringerung um € 1,4 Mio von € 7,2 Mio in 2013 , auf € 5,8 Mio in 2014)

Die Umsatzerlöse des Konzerns Stadtwerke Norderstedt betragen EUR 150.888.000 , der Anteil der Wilhelm.tel GmbH daran beträgt EUR 50.463.000
( Steigerung der Umsatzerlöse von WT um € 4,9 Mio von € 44,5 Mio in 2013 , auf € 50,5 Mio in 2014 , der Gewinn von WT liegt bei EUR 9,7 Mio )

Kunden in Norderstedt die 2014 Telefon u. Internet bezogen: 25.921
Kunden in Hamburg u. Schleswig-Holstein (ohne Norderstedt) die 2014 Telefon u. Internet bezogen: 47.816
Zusammen : 73.737 Telefon u. Internet-Kunden

Kunden in Norderstedt die 2014 Kabel-TV bezogen: 31.358
Kunden in Hamburg u. Schleswig-Holstein die 2014 Kabel-TV bezogen: 152.915
Zusammen : 184.273 Kabelfernseh-Kunden

Wachstum von Wilhelm.tel in 2014:
8.094 Kabel-TV-, 17.524 Telefon- u. Internet-, und 2.561 Mobilfunkkunden hinzugewonnen


Wer den kompletten Bericht lesen möchte:
http://www.stadtwerke-norderstedt.de/fi ... en_SWA.pdf

Mydgard

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von Mydgard » 6. Sep 2015 06:58

Interessant! Nur liegt meines Wissens Norderstedt in Schleswig Holstein ;)

Gut, das die Stadtwerke Norderstedt keine Private Firma sind, weil ein Gewinn von 5,8 Mio bei einem Umsatz von 150 Mio ... da müssten jetzt wieder Wirtschaftsprüfer prüfen um dann Leute zu entlassen und den Gewinn zu steigern.

Dirty Harry

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von Dirty Harry » 6. Sep 2015 13:23

Die Stadtwerke Norderstedt müssen die gleichen Bewertungsmaßstäbe wie ein Privatunternehmen erfüllen !
Das heißt, der Gewinn muß in einem angemessenen Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital stehen. (Der Umsatz spielt dabei keine Rolle)
Das Eigenkapital beträgt ca. EUR 100 Mio. (ca. 1/3 von EUR 300 Mio.), und der Konzerngewinn lag bei EUR 5,8 Mio. = ca. 5,8 Prozent .

Der Gewinn der SWN lag in den vergangenen 10 Jahren übrigens immer zwischen 4 und 7 % , also im angestrebten Idealbereich.
Idealbereich deswegen, weil es hier nicht um eine rücksichtslose Gewinnmaximierung geht, denn die Stadtwerke Norderstedt sind ein Eigenbetrieb.
Dieses bedeutet, daß das Unternehmen allen Bürgern der Stadt gehört und Daseinsfürsorge für sie betreibt,
im Gegensatz zu Unternehmen der freien Wirtschaft, die nur eine Bereicherung der Eigentümer verfolgen.

Dirty Harry

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von Dirty Harry » 16. Sep 2015 01:08

Nachtrag:

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der Stadtwerke selber betrug nur EUR 749.573 .
Wenn man die EUR 793.494 Verlust aus "Verkehrsgesellschaft Norderstedt" (Bus + Bahn)
und EUR 83.906 Verlust der "Stadtpark GmbH" in Abzug bringt, würde sich ein Verlust von ca. EUR 128.000 ergeben, den die Stadtwerke Norderstedt in 2014 erwirtschaftet haben.

ABER:
Im Jahr 2014 betrug der der Gewinn der Wilhelm.tel GmbH EUR 9.692.000 !!! (2013 betrug er EUR 7,9 Mio)
Diese EUR 9,7 Mio werden von der Wilhelm.tel GmbH volständig an die Stadtwerke Norderstedt (Konzernmutter) abgeführt.
Dadurch kommen die Stadtwerke (nach Abzug von Steuern) am Ende auf den Jahresgewinn von EUR 5,8 Mio .

Nachzulesen im Erfolgsplan der Stadtwerke Norderstedt

nordicjan

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von nordicjan » 16. Sep 2015 04:39

Sprich ich Finanziere eure busse mit? :)

Dirty Harry

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von Dirty Harry » 16. Sep 2015 10:17

Ja. Die Busse, einen Teil der Hamburger U-Bahn, das Arriba-Hallen u. -Freibad, das Strandbad im Stadtpark, und den Stadtpark Norderstedt selber.
Außerdem, allerdings indirekt und zwar über die Gewinnabführung an den Haushalt der Stadt folgende Norderstedter Einrichtungen:
- Straßenbau u. -Erhaltung
- Reit- u. Fahrradwege
- Flüchtlings u. Obdachlosenunterkünfte
- Sportplätze u. Sporthallen (für die Schulen und Vereine)
- Kindergärten
- Schulen
- Altenheime
- Feuerwehr
- Katastrophenschutz
- diverse weitere Dinge...

Ich glaube, keiner ist so naiv anzunehmen, daß Unternehmen in der Regel nicht gewinnorientiert sondern nur kostendeckend arbeiten.
(Selbst viele als angeblich gemeinnützig bezeichnete Unternehmen erwirtschaften Gewinne, die dann leider nicht immer in die richtigen Taschen fließen,
aber das ist noch eine ganz andere Sache)

Wenn man aber mit seinen Zahlungen den Unternehmen einen Gewinn ermöglicht, dann ist es doch besser, wenn diese den dafür verwenden,
ihn wieder auszuschütten und einer breiten Öffentlichkeit zugute zu kommen lassen.
Die Alternative wäre, daß der Gewinn der Bereicherung einer einzelnen Person (z.B. U. Hoeneß) oder einer kleinen Gruppe (Familien-Clan Quandt, Albrecht, Herz u. Oetker)
Da ist mir die Ausschüttung an die Norderstedter Bevölkerung, die ja auch das Kapital von über EUR 400 Mio für den Konzern aufgebracht hat (!), deutlich lieber.

horstchen

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von horstchen » 16. Sep 2015 11:29

das würde ich alles unterschreiben, wenn es nicht voraussetzen würde, dass in Politik/Geschäftsführung "ehrliche Makler" der Kunden-/Bürgerinteressen sitzen, die zukunftsorientierte Investitionsentscheidungen treffen und nicht das eingenommene Geld für Opernbälle, Tarpenbekphilharmonie oder Expansionsgrößenwahn verplempern. Lichtgestalten sind in der deutschen Politik selten geworden, seitdem dort Parteikarrieredenken, Versorgungsmentalität, Klüngelei und schlichte Dummheit Einzug gehalten haben. Gerade kommunale Gremien werden da nur noch als Startrampe und Durchlauferhitzer gesehen. Deshalb wurde ja auch überall das kommunale Tafelsilber verkauft.
BISHER kann ich über die Stadtbetriebe N'stedt nicht meckern und habe alle Preisvergleiche zu Mitbewerbern eingestellt. So lange ich das Gefühl habe, dass mir die Dividende irgendwie wieder zugute kommt. Das könnte sich aber dank der Marktvielfalt auch schnell ändern, wenn in Überwachungstechnologie (SmartMeter) investiert wird bzw. ein Wahnsinniger auf den Gedanken kommen sollte, bundesweite Angebote aufzulegen.
Inwieweit sind die Norderstedter Umlandgemeinden (Hamburg, Tangstedt, Rellingen etc.) eigentlich beteiligt und in der Bilanz enthalten und fließen dorthin auch Gelder, Lizenzgebühren? Wird sichergestellt, dass Norderstedter diese Geschäftsgebiete nicht über Kostenunterdeckung mitfinanzieren?

Dirty Harry

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von Dirty Harry » 16. Sep 2015 13:56

horstchen hat geschrieben:das würde ich alles unterschreiben, wenn es nicht voraussetzen würde, dass in Politik/Geschäftsführung "ehrliche Makler" der Kunden-/Bürgerinteressen sitzen, die zukunftsorientierte Investitionsentscheidungen treffen und nicht das eingenommene Geld für Opernbälle, Tarpenbekphilharmonie oder Expansionsgrößenwahn verplempern.
Lichtgestalten sind in der deutschen Politik selten geworden, seitdem dort Parteikarrieredenken, Versorgungsmentalität, Klüngelei und schlichte Dummheit Einzug gehalten haben.
Gerade kommunale Gremien werden da nur noch als Startrampe und Durchlauferhitzer gesehen.
Sehe ich alles genauso.
horstchen hat geschrieben:Deshalb wurde ja auch überall das kommunale Tafelsilber verkauft.
Aus diesem Grunde war ich einer der Initatoren eines Bürgerbegehrens, daß die Umwandlung des Kommunalen Eigenbetriebes Stadtwerke in eine privatwirtschaftliche Kapitalgesellschaft (Vorstufe zum Verkauf des Tafelsilbers) verhindert hat.
Da wir erfolgreich waren, kommen die Gewinne weiterhin den Norderstedter Bürgern zugute. Inzwischen sind das in der Summe rund EUR 60 Mio. .
Und die "auswärtigen" Wilhelm.tel-Kunden in Hamburg und dem Umland haben auch etwas davon: Einen Kommunikationsanbieter der ein gutes Preis/Leistungsverhältnis anbietet,
anstatt auf reine Gewinnmaximierung abzuzielen. .:mrgreen:

horstchen hat geschrieben:Inwieweit sind die Norderstedter Umlandgemeinden (Hamburg, Tangstedt, Rellingen etc.) eigentlich beteiligt und in der Bilanz enthalten und fließen dorthin auch Gelder, Lizenzgebühren? Wird sichergestellt, dass Norderstedter diese Geschäftsgebiete nicht über Kostenunterdeckung mitfinanzieren?
Bitte präzisiere die Frage etwas.
(Vermutlich sind die Fakten und Zusammenhänge für mich nach 15 Jahren Kommunalpolitik so lange bekannt und inzwischen so selbstverständlich, daß ich nicht sofort sehe, wo für Außenstehende etwas unklar sein könnte. :wink: )

horstchen

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von horstchen » 17. Sep 2015 09:20

Dirty Harry hat geschrieben:
horstchen hat geschrieben:Inwieweit sind die Norderstedter Umlandgemeinden (Hamburg, Tangstedt, Rellingen etc.) eigentlich beteiligt und in der Bilanz enthalten und fließen dorthin auch Gelder, Lizenzgebühren? Wird sichergestellt, dass Norderstedter diese Geschäftsgebiete nicht über Kostenunterdeckung mitfinanzieren?
Bitte präzisiere die Frage etwas.
(Vermutlich sind die Fakten und Zusammenhänge für mich nach 15 Jahren Kommunalpolitik so lange bekannt und inzwischen so selbstverständlich, daß ich nicht sofort sehe, wo für Außenstehende etwas unklar sein könnte. :wink: )
Ich versuche es mal deutlicher zu formulieren:
Wie ist eigentlich das exterritoriale Geschäft angelegt?
Sind die anderen Gemeinden irgendwie an WT beteiligt oder ist es normale Expansion einer gewinnorientierten Firma?
Bei kommunalen Firmen besteht m.E. zudem immer die Gefahr, dass "unter Brüdern" mal zwischendurch der Haushalt der Nachbargemeinde aufgehübscht wird. Gewinne lassen sich zur Not per Unkostenbeteiligung, Nutzungs- und Lizenzgebühren verschieben.
So wichtig ich kommunale Selbstorganisation und Wirtschaftbetriebe finde, desto misstrauischer bin ich gegenüber kommunaler Politik, wenn sie deren Gewinne unter's Volk bringen kann. Vielleicht habe ich aber einfach nur zu lange in HH gelebt und zu viele Politruks dort abschätzen müssen...

Dirty Harry

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von Dirty Harry » 17. Sep 2015 12:43

Jetzt weiß ich wieso ich Dich nicht verstanden habe.
Die Vorstellung, eine Gemeinde/Stadt/Kreis/Bundesland, könnte freiwillig (!) etwas von Ihren Einnahmen an eine andere Gemeinde/Stadt/Kreis/Bundesland abgeben,
also quasi verschenken, ist so abwegig, da kam ich wirklich nicht darauf. :wink:

Genau andersherum wird ein Schuh draus; jeder versucht so wenig herzugeben (egal auf welche Weise diese "Abgabe" auch immer wie gestaltet sein mag) wie nur irgendwie möglich.
Da wird dann eher getrickst und geschoben, um den anderen keinen Vorteil zukommen zu lassen.

Die Expansion außerhalb Norderstedts hatte von Anfang an allein den Grund, daß Wilhelm.tel versucht:
- seine vorhandene Infrastruktur optimal auszunutzen (nichts im Unternehmen soll brach liegen, möglichst immer 100% Auslastung)
- seinen Konkurrenten keine unterversorgten Gebiete "vor der Haustür" zu überlassen, sondern diese durch konstantes Wachstum selbst zu besetzen
- die eigene Existenz zu sichern, indem sowohl die eigene Bekanntheit, als auch Anzahl u. Zufriedenheit der Kunden ständig erhöht wird
- durch gesundes u. solides Wachstum den Umsatz zu vergrößern um bei Beibehaltung des Prozentsatzes den Gewinn insgesamt zu erhöhen

Ich bin der Meinung Wilhelm.tel bietet eine multible Win/Win-Situation, da alle Vorteile vom Unternehmen haben:
- Die Bürger Norderstedts als Eigentümer (erhalten den Gewinn)
- Die Angestellten (guter + sicherer Arbeitsplatz)
- Die Bürger des Landes Schleswig-Holstein (Steuereinnahmen in Millionenhöhe)
- Die Kunden (ihr wißt alle selber, warum ihr bei Wilhelm.tel seid. Oder nicht? :wink: )

MatzeHH

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von MatzeHH » 17. Sep 2015 13:01

Wäre es aus Sicht von WT nicht besser, die Gewinne direkt zu investieren, bevor man sie auch noch an den Mutterkonzern bzw. die Bevölkerung abführen muss?
Das Unternehmen hat doch wohl das Interesse, dass das Geld im Betrieb bleibt.

Dirty Harry

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von Dirty Harry » 17. Sep 2015 18:46

Aus Sicht eines Tochterunternehmens ist es immer "besser" den erwirtschafteten Gewinn für sich zu behalten und nichts abzugeben, egal an wen.
So läuft die Sache aber nicht.
Ein Tochterunternehmen ist eben nicht eigenständig sondern ein Teil des großen Ganzen, dem Konzern.
Bei Gründung eines Konzernablegers muß dieser ja auch das notwendige Kapital aufbringen,
logisch das ihm das damit geschaffene Unternehmen mit "Haut und Haar" gehört und er die Erträge als sein Eigentum betrachtet.
Aus diesem Grunde wird in solchen Fällen bei der Gründung in der Regel ein Gewinnabführungsvertrag zwischen Mutter u. Tochter geschlossen.
Das bedeutet aber keinesfalls, daß die Tochter gar nichts vom Gewinn behalten würde.
Dafür sind Rückstellungen (Kapitalansparung für zukünftige Ausgaben) vorgesehen, die vom Gewinn abgezogen werden.
Nicht zu vergessen die Ausgaben für Investitionen, welche die Erlöse schon vor der Ermittlung des Jahresgewinns geschmälert haben.
Man braucht sich keine Sorgen zu machen, daß für die Wilhelm.tel GmbH nicht genug Kapital übrig bleibt. Wahrhaftig nicht!

Dirty Harry

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von Dirty Harry » 20. Mai 2016 12:53

Für die, die es evtl. interressiert ein Zitat aus dem Hamburger Abendblatt über die Entwicklung von Wilhelm.tel:
Exportschlager aus Norderstedt

Das Telekommunikationsunternehmen wilhelm.tel erzielte im vergangenen Jahr die Hälfte des StadtwerkeGewinns

NORDERSTEDT :: Der Norderstedter Telekommunikationsdienstleister wilhelm.tel hat sich zum wahren Goldesel der Norderstedter Stadtwerke
– und damit der Stadt Norderstedt – entwickelt. Zu dem Rekordergebnis des vergangenen, in dem die Stadtwerke bei einem Jahresumsatz von 155 Millionen
Euro einen Gewinn von 10,6 Millionen Euro nach Steuern erzielten, steuerte wilhelm.tel die Hälfte bei, betont deren Geschäftsführer Theo Weirich stolz.
97 der 440 Mitarbeiter bei den Stadtwerken sind bei der im Norden führenden Glasfaser-Tochter beschäftigt.
Im Stadtgebiet Norderstedt sind derzeit 95 Prozent der Haushalte über eigene Leitungen direkt an das Netz angeschlossen.
Doch der Einstieg in die Glasfasertechnologie war seinerzeit nicht unumstritten.
Aus Norderstedter Sicht kann er nur als weitsichtig und bahnbrechend bezeichnet werden.
Denn mit ihrer Telekommunikations-Tochterfirma wilhelm.tel verfügen die Norderstedter Stadtwerke über ein Know-How,
das sich zu einem Exportschlager entwickelt hat. Selbst die HeavyMetalFans in Wacken nutzen das WLANNetz von wilhelm.tel .
Mit Tochterfirmen und Kooperationspartnern beliefert das im Februar 1999 gegründete städtische Unternehmen
inzwischen über sein 1700 Kilometer langes Glasfasernetz rund 400.000 Kunden mit schnellstem Internet, Telefonie und hochauflösendem Fernsehen.
Das Verbreitungsgebiet umfasst eine Fläche von 2000 Quadratkilometern mit Norderstedt, der Hansestadt Hamburg und dem nördlichen Umland,
das bis nach Itzehoe und Wacken reicht, wo sich jedes Jahr die 70.000 Heavy-Metal-Fans des Wacken-Open-Air-Festivals über das
dortige kostenlose WLAN-Netz des Norderstedter Anbieters mobil austauschen.
Diese rasante Entwicklung konnte bei der Gründung des Telekommunikationsdienstleisters Ende der 90er-Jahre niemand ahnen.
„Es war auch eine gehörige Portion Glück dabei“, gibt Weirich zu, den der damalige Stadtwerkeleiter Volker Hallwachs zunächst als
Berater, dann ab August 1999 als Werkleiter für Telekommunikation in sein Haus holte.
Die Liberalisierung des Strommarktes ließ damals die Experten fürchten, dass die guten Jahre für die Stadtwerke vorbei seien.
Also suchte Hallwachs nach einem zusätzlichen wirtschaftlichen Standbein und erkannte schnell, dass die Breitbandtechnologie dies sein könnte.
Zudem versprach sie, das alte auf Kupferleitungen basierende Signalnetz auf bequeme Weise zu ersetzen.
60 Millionen Mark wollten die Norderstedter Stadtwerke damals in ein flächendeckendes Glasfasernetz investieren.
Am Ende wurden daraus 60 Millionen Euro, erinnert sich Theo Weirich. Zunächst wurden die großen Gewerbebetriebe in der Stadt,
dann die einzelnen Häuser an dieses Netz angeschlossen.
„Im Jahr 2004 hatten wir zwar doppelt so viel Geld ausgegeben wie geplant, aber auch achtmal so viele Kunden“, erinnert sich Weirich.
In Hamburg arbeiten die Norderstedter unter anderem mit der Saga zusammen.
Anfangs konnten diese mit zwei Megabit pro Sekunde (mbit/s) im weltweiten Datennetz surfen,
immerhin die dreifache Geschwindigkeit des damals besten Angebots der Deutschen Telekom.
Heute sind Internet-Downloads von mehr als 100 Megabit pro Sekunde Standard, und die Gigabit-Technologie ist im Anmarsch.
Anfangs belächelt, horchte das Umland schnell auf.
Zunächst wurden die Nachbargemeinden Henstedt-Ulzburg, Ellerau und Alveslohe an das Glasfasernetz angeschlossen.
Dann gelang mit dem Tochterunternehmen willy.tel über die Wohnungsbaugenossenschaften und schließlich Hamburgs
größtem Wohnungsanbieter Saga der Einstieg in der benachbarten Hansestadt.
Nun folgten die Kooperationen mit den kommunalen Energieversorgern Neumünster,
die inzwischen selbst den Kreis Steinburg mit Glasfasertechnologie ausstatten,
sowie die Städte Quickborn, Pinneberg und die Gemeinden Halstenbek und Rellingen.
Vor drei Jahren war Norderstedt mit wilhelm.tels Mobyklick die erste Stadt im Norden,
die ihren Bürgern und Besuchern ein kostenloses WLANNetz ermöglichte, das inzwischen mit 1000 Antennen,
die alle 250 Meter entfernt aufgestellt sind, 80 Prozent der Bevölkerung erreichen.
Die 58 Bahnhöfe der AKN sind ebenso mit dem drahtlosen Netz von wilhelm.tel ausgerüstet.
Und mit der Tochter willy.tel werden jetzt auch die Bürger der Hansestadt und Fahrgäste der Hochbahn bald flächendeckend
in den WLAN-Genuss kommen.

... (Ausführungen über Smarthome-Technologie ausgelassen) ...

„Wir werden den Trends nicht folgen, wir wollen sie setzen“, ist Weirichs Wahlspruch dabei.
Und dass die Stadtväter Norderstedts all dies völlig unabhängig von Konzernentscheidungen selbst in der Hand haben,
hält Weirich für die größte Errungenschaft. „Das ist unbezahlbar für die Stadt Norderstedt.“

(Quelle: Hamburger Abendblatt 20.05.2016 , Burkhard Fuchs)

Mydgard

Re: Konzernabschluß 2014 / Wilhelm.tel + Stadtwerke Norderstedt

Beitrag von Mydgard » 21. Mai 2016 19:55

@Dirty Harry: Danke für den Ausschnitt des HA Artikels, aber da sind imho ein paar Fehler drin, z.B.:

- "Heute sind Internet-Downloads von mehr als 100 Megabit pro Sekunde Standard, und die Gigabit-Technologie ist im Anmarsch."

Afaik hat kein Privatkunde bei Wilhelm.tel/Willy-tel eine höhere Downloadgeschwindigketi als 100 Mbit/s ... bis auf die wenigen FTTH Kunden bei Willy-tel, die manchmal 250/50 Mbit/s haben, das kann man aber wohl kaum als Standard bezeichnen ;)

- "Dann gelang mit dem Tochterunternehmen willy.tel über die Wohnungsbaugenossenschaften und schließlich Hamburgs
größtem Wohnungsanbieter Saga der Einstieg in der benachbarten Hansestadt."

Meines Wissens nach, ist Willy-tel keine Tochter von Wilhelm.tel, sondern ein Rechtlich Eigenständiges Unternehmen, welches nur den Backbone von Wilhelm.tel + das TV Signal, nutzt.

PS: Sofern die Information bzgl. Herrn Weirich stimmen sollte, das der schon seit 1999 Im Unternehmen tätig ist: Hat er dann ja gut entwickelt das Unternehmen, trotzdem wäre es imho evtl. mal ganz interessant/wichtig für WT, wenn die jemanden anderen ans Steuer lassen würde, einfach das jemand frisches Blut rein bringt und sich nicht auf den vorhandenen Lorbeeren ausruht ...

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